Tipps zur Gehaltserhöhung in 2020

Sie möchten mehr Gehalt! Es wird alles teurer, die Kinder kosten zunehmend mehr, es wird für den Urlaub oder ein neues Auto gespart. Sprechen Sie mit Ihrem Chef, Ihre direkte Führungskraft ist immer der richtige Ansprechpartner. Warten Sie auf den richtigen Moment und dann führen Sie Ihr Gespräch immer unter vier Augen mit dem klaren Ziel: Gutes Geld für gute Arbeit.

Doch wie geht man bei einer gut geführten Gehaltsverhandlung vor?

Was ist zu beachten?

Hier finden Sie die relevanten Tipps:

Sprechen Sie immer zu allererst mit Ihrer direkten Führungskraft – diese muss hinter Ihnen stehen und sollte am besten wissen, warum Sie eine Gehaltserhöhung verdient haben.

Egal, ob Strom-, Gas- oder Telefonanbieter keiner kommt zu einem langjährigen Kunden und senkt den Preis. So ähnlich ist es auch beim Arbeitgeber. Werden Sie „AKTIV“!

Wann?

Am besten im Frühjahr oder Sommer, ansonsten:

  • Nach der Probezeit
  • Zwischen zwei befristeten Arbeitsverträgen
  • Beim Übergang eines befristeten in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis
  • Bei einem Tätigkeitswechsel
  • Bei einer internen Versetzung
  • Beim jährlichen Mitarbeitergespräch

 

Dies bedarf jedoch einer guten Vorbereitung. Schnell sitzt man in der Steuerfalle. Das Bruttoeinkommen steigt, beim Netto kommt kaum etwas raus. Dem gilt es vorzubeugen.

Wie?

Sie erfragen zunächst die Zufriedenheit Ihrer Führungskraft mit Ihrer Arbeitsleistung und stellen im Gespräch vor, was Sie seit der letzten Gehaltserhöhung besonders gut geleistet haben. Es gilt wie bei einem Tagebuch, einem Einkaufszettel oder einer anderen Notiz Punkt für Punkt abzuarbeiten und letztlich durch Argumente zu überzeugen.

Stellen Sie sich folgende Fragen und schreiben Sie die Antworten auf:

  • Was kann ich besonders gut?
  • Worin liegt meine persönliche Leistung?
  • Habe ich ganz besondere Aufgaben gut gemeistert?
  • Was habe ich Besonderes für das Team geleistet?
  • Wie bin ich im Umgang mit anderen Menschen im Arbeitsalltag?
  • Hat der Betrieb / das Unternehmen durch mich Einsparungen oder Gewinne erzielt?
  • Wann war die letzte Gehaltserhöhung?
  • Warum sollten Sie es Ihrem Arbeitgeber wert sein?

Warum?

Sie wollen mehr Gehalt für Ihre gute ggf. sogar bessere Arbeitsleistung, ein Tauschgeschäft. Arbeitsqualität, -güte, Arbeitsmenge und damit einhergehende Berufserfahrung und Kompetenz sind Ihre Argumente.

Was?

Ja, was wollen Sie fordern? Was ist eine angemessene Gehaltserhöhung? Kennen Sie Ihren Marktwert? Meistens nein. Ihre Kolleginnen oder Kollegen können Sie meistens auch nicht fragen, das verbieten die meisten Arbeitsverträge. Deshalb beschaffen Sie sich zuerst allgemein zugängliche Informationen, ein Beispiel finden Sie unter gehalt.de.

Machen Sie eine Internetrecherche, tauschen Sie sich in sozialen Netzwerken und Foren anonym (!) über Gehälter aus, führen Sie Gespräche mit Bekannten und (echten) Freunden. Wichtig ist, vertrauen Sie nie auf nur einen Wert!

Ihr Ziel: Ausgehen vom eigenen Gehalt ein für die Zukunft angemessenes an Ihrer Leistung orientiertes Einkommen zu erhalten, welches Arbeitszufriedenheit und Motivation ermöglicht.

Weshalb jetzt?

  • Spätestens nach zwei Jahren sollte man sich fragen, ob und in wie weit das heutige Gehalt noch angemessen ist. Allein die Inflation wirkt sich aktuell mit 1,5 bis 2 Prozent pro Arbeitsjahr negativ aus. Eine regelmäßige Erhöhung des Einkommens ist daher unerlässlich, um allein die Inflationsrate auszugleichen.
  • Allein dafür lohnt es sich eine Gehaltsverhandlung zu führen. Oft werden rund drei bis zehn Prozent Gehaltserhöhung pro Gehaltsverhandlung (im empfohlenen Abstand von etwa 24 Monaten) gefordert. Zehn bis 15 Prozent sind drin, wenn Sie in eine (höhere) Führungsposition aufsteigen.
  • Unser Tipp: Bestimmen Sie Ihren Marktwert, zum Beispiel: 5 Prozent Gehaltserhöhung (Brutto) Dann benennen Sie einen exakten Betrag: 285 oder 385 Euro. Dies wirkt professionell und kommt auf den Punkt. Legen Sie sich zur Sicherheit für eine mögliche Verhandlung auch eine Untergrenze fest: 185 oder 285 Euro.
  • Aus jeder Steuertabelle lässt sich dann entnehmen, was das Netto für Sie ausmacht, hier eine Option zum Nachschauen: www.einkommenssteuertabelle.de

Ab jetzt kommt es auf ihr Verhandlungsgeschick drauf an. Selbst bei einem Tarifvertrag gibt es Verhandlungsspielräume. Warum, die sogenannten Sonderzahlungen und geldwerten Vorteile sind verhandelbar.

 

Und jetzt?

Machen Sie einen Probelauf! Ob Freund, Freundin, Ehemann, Ehefrau oder der Spiegel! Starten Sie einen Probelauf. Führen Sie ein Testgespräch, mit wem auch immer!

Je besser Ihre Argumente sitzen, je sicherer Sie sich fühlen, desto besser läuft das Gespräch mit Ihrer Chefin / Ihrem Chef!

Na, sind Sie sicher? Dann nehmen Sie sobald als möglich allen Mut zusammen, passen den richtigen Moment ab und starten durch. Suchen Sie das Vier-Augen-Gespräch mit Ihrer Führungskraft.

Ob das in Kürze anstehende Feedback- oder das nächste Mitarbeitergespräch, egal. Starten Sie gut vorbereitet durch und gehen Sie das Anliegen „Gehaltserhöhung“ an.

Hier die Schrittfolge:

  1. Mit der Frage „was führt Sie zu mir“ eröffnen viele Vorgesetzte ein von Mitarbeiterin oder Mitarbeiter gewünschtes Gespräch.
  1. Bitten Sie um Feedback zu Ihrer Arbeitsleistung der letzten 2 Jahre und hören Sie genau zu, machen Sie sich wenn möglich Notizen.
  1. Nach den Ausführungen der Führungskraft haben Sie Gelegenheit Ihre Sicht der Dinge vorzutragen, ggf. Dinge zu ergänzen und Ihre Sichtweisen einzubringen.
  1. Wichtig ist, alles was Sie sich im Vorfeld überlegt haben können Sie jetzt anbringen. Je positiver sich das Gespräch entwickelt, je mehr Anerkennung zu Ihren Leistungen beim Feedback rüberkommt, je mehr Zustimmung Sie im Hinblick auf Ihre Argumente erhalten, desto positiver entwickelt sich die Möglichkeit für eine Gehaltsverhandlung.
  1. Fallen Sie nie mit der Tür ins Haus, aber Smalltalk allein führt auch nicht zu einem Ergebnis.
  1. Führungskräfte sind in aller Regel erfahren und können einschätzen was auf Sie zukommt.
  1. Von daher gilt:
    1. Sorgen Sie mit für eine positive Gesprächsatmosphäre (Offene Haltung, ein Lächeln)
    2. Leiten Sie das Gespräch auf eine Leistungseinschätzung Ihrer Person hin
    3. Seien Sie vorbereitet, dass die Führungskraft diese Frage an Sie zurückgibt
    4. Sprechen Sie gut vorbereitet über Ihre Leistungen und das, was Sie noch für den Betrieb / die Firma leisten möchten
    5. Reagieren Sie auf Kritik nicht ungehalten, sondern nehmen Sie angemessene Kritik einfach demütig an, ohne deshalb Ihr Ziel aus den Augen zu verlieren
    6. Verfügen Sie über gerechtfertigte Gegenargumente, so bringen Sie diese freundlich und angemessen an, vergleichen Sie nie Ihre Leistung mit der eines Kollegen / einer Kollegin, sondern argumentieren Sie immer inhaltlich über Ihre Leistungen
    7. Verzichten Sie auf Hinweise zu Ihren Lebensverhältnissen, wie „der Hauskredit drückt“ oder “ich kann mir nicht mal einen Urlaub leisten“
    8. Treten Sie stattdessen mit einem angemessenen Selbstbewusstsein auf, machen Sie deutlich, dass der Betrieb / das Unternehmen von ihnen etwas hat
    9. Bringen Sie ihre Argumente für eine Gehaltserhöhung zum Ende des Gespräches rüber, fassen Sie die positivsten Gesprächsergebnisse / Argumente für eine Gehaltserhöhung nochmal zusammen und stellen Sie Ihre Gehaltsforderung
      Hier ein Beispiel:
      Ich halte eine Gehaltserhöhung in Höhe von 285 Euro für angemessen, das sind etwa 5 Prozent, halten Sie das auch für angemessen?
  1. Hat alles geklappt und Ihre Führungskraft will sich kümmern, dann ist der erste Schritt getan, ein echt erfolgreiche Gehaltsverhandlung ist das jedoch noch nicht.

Es gilt in der heutigen Zeit viele Dinge zu bedenken: Eine Brutto-Gehaltserhöhung muss nicht zum gewünschten „Netto-Gehalt“ führen.

Es gibt jedoch eine Vielzahl steuerlicher Möglichkeiten die ihr Betrieb / ihr Unternehmen nutzen kann um für Sie „Netto“ etwas Gutes zu tun.

Es gibt einige Optionen, die für Sie „Netto“-Wirkung erziehen, es geht um das Thema Gehaltsumwandlung. Bevor ein höheres Brutto nämlich zu einem niedrigeren Netto führt besteht die Möglichkeit der Nutzung steuerlicher Vorteile.

Fragen Sie Ihre Führungskraft noch diesen oder ähnliche Alternativen und bedenken Sie, solche Leistungen sind als geldwerter Vorteil zu versteuern.

 

Absicherung

Es gilt das erreichte abzusichern: Wer entscheidet letztlich über die Gehaltserhöhung? Gibt es eine Gehaltsabteilung, oder eine Chefin oder Chef, welcher letztendlich über eine Gehaltserhöhung zu entscheiden hat? Klären Sie die nächsten Schritte und die zeitliche Abfolge mit Ihrer Führungskraft ab.
Hier ein Beispiel:
Vielen Dank, dass Sie sich meinem Wunsch nach einer Gehaltserhöhung annehmen. Wie geht das den jetzt weiter? Wann werde ich wieder von ihnen hören?

 

Noch ein Wort zum Abschluss:

Sofern Sie bei diesem Gespräch mit Ihrer Gehaltsverhandlung nicht das gewünschte Ergebnis erzielen, so geben Sie nicht gleich auf, bedanken Sie sich für das Gespräch und erwähnen Sie spätestens im nächsten Jahr nochmal über das Thema sprechen zu wollen.